Gedanken zum Naziaufmarsch in Augsburg

Am 27. Februar marschierten Nazis anlässlich ihres 5. „Trauermarschs“ durch die Augsburger Innenstadt. Ihr Demonstrationszug verspätete sich ca. zweieinhalb Stunden, sodass der Marsch der Nazis erst um 14:30 Uhr statt wie geplant bereits um 12 Uhr startete. Ihr Weg führte vom Jakobertor zum Karlsberg, anschließend zum Stadttheater und zum Prinzregentenplatz, wo sie jeweils eine Kundgebung durchführten. Zwischen 16:30 und 17 Uhr fand sich der Demonstrationszug am Hauptbahnhof ein, wo die Nazis schließlich nach Hause fuhren.
Allgemein hielten sich Gegenaktivitäten in einem sehr begrenzten Rahmen. Aufgrund der fehlenden Mobilisierung außerhalb Augsburgs fanden sich sehr wenige bis schlicht gar keine organisierten auswärtigen Antifas in Schwabens Hauptstadt ein. Die Zahl der Nazis, die hauptsächlich aus dem Münchner und Ulmer Raum kamen, belief sich auf ca. 100-130. Demgegenüber standen maximal 200 Antifas (davon maximal 50 Organisierte) und eine größere Masse an sogenannten „Bürgern“. Begleitet wurde der alljährliche Marsch von einem standardmäßig immensen Polizeiaufgebot. Offiziell hieß es, dass 6 Hundertschaften aus ganz Bayern zusammengezogen wurden. Dazu kam noch mindestens eine auswärtige BFE-Einheit aus Baden-Württemberg und ein Hubschrauber, der zeitweise die Innenstadt überflog. Anders als bei vorhergegangenen Nazidemonstrationen wurde diesmal die gesamte Strecke abgegittert. Bereits um 9 Uhr war freie Bewegung in der Jakobervorstadt praktisch nicht mehr möglich, Passanten wurden nach ihrem Personalausweis gefragt, wenn sie an Polizeiabsperrungen vorbei wollten. Alles in allem also typisch bayerische Verhältnisse.
Bürgerliche Kundgebungen waren fast in der gesamten Innenstadt zu finden (fernab der Naziroute, um die Nazis auch ja nicht zu sehr zu stören). Die Größte fand auf dem Rathausplatz statt, wo diverse Bands spielten, Familien Bratwurst essen konnten und Parteien Infostände abhielten. Am Elias-Holl-Platz gab es eine Kundgebung von organisierten Migranten, an der Blauen Kappe eine Gedenkveranstaltung.
Die Neonazis konnten ohne jegliche Blockade ihren Marsch durchziehen, lediglich bei Kundgebungen konnte eine größere Menge von Gegendemonstranten ihren Unmut direkt an die Faschisten richten. Der Aufzug der Faschisten war ein Trauermarsch, deshalb wurden keine rechten Parolen gerufen.
Militantere Aktionen gab es aufgrund der wenigen entschlossenen Menschen nicht. Gerüchten zufolge sollen am Bahnhof ein paar Nazis angegriffen worden sein und in der Jakobervorstadt soll angeblich etwas gebrannt haben. Aktionen, die im Ansatz wohl als positiv erscheinen, den Naziaufmarsch haben sie leider nicht verhindert.
Weiter anzumerken ist, dass die EA-Nummer, die beim sporadischen Treffpunkt am Bahnhof ausgegeben wurde, schlicht nicht funktionierte, was bei rund 25 festgesetzten linken Demonstranten ein enormes Problem darstellte. Offiziell sprach die Polizei von 16 linken und 2 rechten gefangengenommenen Demonstranten.
Die nicht vorhandene Organisation von Gegenaktivitäten im voraus rächte sich insofern, als dass der Nazizug problemlos durch die Innenstadt ziehen konnte.
Im Gesamten war der Tag ein Reinfall für beide Seiten: Die Demonstration der Nazis war nicht so groß wie befürchtet, höchstens 130 Rechte waren im Gegensatz zum vorherigen Jahr, als mindestens 250 Nazis durch Augsburg zogen, mengenmäßig gesehen doch recht wenig.
Die relativ geringe Anzahl der Neonazis können wir jedoch keinesfalls als Erfolg werten, zum einen waren organisierte Gegenaktivitäten äußerst marginal, Antifas irrten recht ziel- und planlos durch die Innenstadt und letztlich wurde der Zug der Nazis nicht nennenswert gestört.
Die einzige Seite, die ihren Spaß an den politischen Aktivitäten hatte, war an diesem Tag wohl die Polizei; Vor allem am Abschluss der Demonstration am Hbf kam es zu regelrechten Jagdszenen unserer geliebten Unterstützungseinheit (USK) auf einzelne Demonstranten. Hunde kamen dann wohl auch zum Einsatz, uns ist aber nichts von etwaigen Verletzten zu Ohren gekommen. Bereits vor dem Ende des Nazitrauermarschs, wurde der Bahnhof von der Polizei abgesperrt. Im Nachhinein soll noch ein Naziauto aus Unterfranken angegriffen worden sein, was das USK als Vorwand nahm, nochmals rund 15 Antifas, die sich in der Nähe befanden, wegzuknasten.
Es bleibt festzuhalten, dass sich bis zum nächsten Naziaufmarsch in Augsburg einiges ändern muss, wenn ein Naziaufzug zumindest wieder einmal effektiv gestört werden soll. Ein Polizeiaufgebot, was höchstwahrscheinlich von der Menge her größer als Nazis und Gegendemonstranten war, ist zwar ein extremes Hindernis, einen Aufmarsch zu behindern, jedoch kann dies allein nicht als alleiniger Grund für die unorganisierten – und damit erfolglosen – Gegenaktivitäten gelten.
An dieser Stelle möchten wir anmerken, dass die Gründe für das „Versagen der Augsburger Antifa“ – wie es sinngemäß auf indymedia steht – jedoch nicht allein bei uns zu suchen sind: Uns ist klar, dass Mobilisierung und Organisation marginal bis gar nicht vorhanden waren und dies ist ein negativer Aspekt, der eindeutig Augsburger Gruppierungen zuzuschreiben ist. Dem sei anzumerken, dass es in den vorhergegangenen Jahren zum Teil immense Anstrengungen gegeben hat, diesen alljährlich wiederkehrenden braunen Marsch zu stoppen, diese aber nicht von Erfolg gekrönt waren. Trotz überregionaler Mobilisierung konnten sich organisierte Menschen aus anderen Städten nicht aufraffen, die Augsburger GenossInnen zu unterstützen. Alles, was wir hier in Augsburg von anderen Städten erwarten können, scheint destruktive Kritik über ein
drittes Medium – nämlich Indymedia – zu sein. Wir können verstehen, dass es diesmal für Auswärtige furchtbar war, in Augsburg zu verweilen, da nicht einmal die Minimal-Struktur (EA) funktionierte. Jedoch waren bei den vergangenen Naziaufmärschen auch unwesentlich mehr Antifas aus anderen Regionen vor Ort.
Es bleibt für uns festzuhalten, dass dieser Tag nicht sonderlich erfolgreich war, weder für rechte noch für linke Demonstranten, wir hoffen aber, dass das nächste Mal wieder einigermaßen erfolgreicher für die „linke Szene“ wird. Dafür müssen wir aber alle unseren Arsch hoch kriegen, nach Augsburg zu kommen und „Action und Riot“ zu konsumieren läuft nun mal nicht. Mit ein Paar wirklich Organisierten mehr, wäre sowohl dieses Jahr, als auch die Jahre davor deutlich mehr gegangen. Aber vielleicht rüttelt dieser Total-flop unsere lieben Großstadtantifas und auch alle anderen von außerhalb mal wach, damit diese auch mal mehr von Augsburg sehen, als den Bahnhof beim durchfahren.
In diesem Sinne:
Solidarität muss praktisch werden!

geschrieben vom AKAUA





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